2020 Ein Bild

Ich bin in der Garage, seit Wochen arbeite ich an einem Bild.
Mein Baby. Jeder Pinselstrich, den ich bis jetzt gemacht habe, ist
in meinem Kopf. Jeder Fehler ist gespeichert. Die Farben, die Formen,
alles in meinem Kopf. Heute das unvorstellbare, mir fällt das viel
zu große Bild, von der viel zu kleinen Staffelei. Die Staffelei haut zwei Löcher in das Bild.

Ich sehe es und kann es nicht glauben. Am liebsten würde ich alles zerstören. Eine Schere nehmen und es von rechts nach links oder von links nach rechts aufschlitzen. Doch es rollen nur viele tausend Tränen über meinem Gesicht. Mein Baby ist kaputt. So viele Stunden der Liebe. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Hat Gott diesen Schmerz in sich, wenn er uns sieht.

Die Staffelei ziehe ich aus dem Bild und stelle das Bild auf den Boden. Dann gehe ich aus der Garage in die Küche. Ich setzte mich an den alten, von mir abgebeizten Küchentisch, auf einen der neuen Poko schwing Stühle. Mein Gesicht lieg fast auf dem Tisch. Unter meinem Gesicht liegt mein Handy.
Dann schreibe ich über WhatsApp und sende ein Foto an den wunderbaren Mann, der dieses Bild bei mir bestellt hat.

Hier siehst du das Bild, bevor ich es zerstöre.

Meine Tränen tropfen auf mein Handy.
Wie konnte mir das passieren. Wie war das? Die Sachen aus dem Baumarkt wollte ich ins Regal stellen und bin ein wenig, mit meinem Popo an das Bild gestoßen. Wie konnte ich so unvorsichtig sein?!

Über WhatsApp kommen die Worte zurück:

Kann man doch reparieren....

Ja, ich versuche es zu reparieren. Ja, ich versuche es!

Was habe ich nur für Probleme. In der Welt sterben die Menschen wie Fliegen.
Alles steht still. Jeder hat Angst um sein Leben, um seine Arbeit, um die Wirtschaft und ich weine um ein Bild von einer Möchtegernkünstlerin.

Im Fernsehen laufen die Statistiken.

Jeden Tag

Soundso viele Kranke
Soundso viele Tote

Darüber sollte ich weinen. Manchmal tue ich es auch. Es hinterlässt einen furchtbaren Schmerz.
Diese Nachrichten im Fernsehen.

Italien
Spanien
Deutschland
USA
China
Süd Korea

Die Menschen sterben und es fehlt an Medizin, an Geräten zur Sauerstoffbehandlung.
Diese moderne, reiche Welt, hat nicht genügend Schutzanzüge und Mundschutz für ihre
Ärzte und Pfleger. Es gibt nicht genügend Krankenhausbetten. Die Menschen sterben auf den Gängen im Krankenhaus. Sie werden in Massen beerdigt. Eine Lastenwagen Armee holt die Särge ab und bringt diese zur Verbrennung. Sie werden beerdigt ohne ihre Lieben vorher gesehen zu haben, da sie einen Virus in sich haben, der nicht übertragen werden darf. Der Mensch stirbt alleine. Sowieso..sagst du, ja....  doch sollte nicht eine liebende Hand da sein. Ein Kind, das das letzte Essen reicht.
Es ist so furchtbar traurig.

Wir dürfen nicht zur Arbeit. Die Autos stehen geparkt, in langen Schlangen am Straßenrand.
Nichts bewegt sich. Kein Flugzeug ist am Himmel. Alles ist eingestellt. Die Börse macht eine Talfahrt.

Und doch!

Die Luft reinigt sich, die Fische kommen bis in den Hafen.
Man kann die Fische mit der Hand fangen.

Der Mensch ruht. Die Krankheit Mensch für die Mutter Erde.
Jetzt wo der Mensch krank ist, kann sie heilen.
Das alles passiert und ich weine um mein Bild, weil es zwei
Löcher hat, die man reparieren kann.

Wenn wir die Luft verschmutzen, wir Menschen, dann ist es die Lunge der Erde.
Habt ihr mal darüber nachgedacht.  Ja, die Erde hat eine Lunge. Die Bäume können nicht atmen,
wenn wir die Luft so verschmutzen und nun kommt ein kleines Virus und zerstört unsere Lunge.
Eigentlich zerstören wir unsere Lungen ja sowieso mit der Umweltverschmutzung.

Also, warum die Schuld diesem Virus geben?!

Ich erinnere mich an Tschernobyl 1986. Damals hat man gesagt, all die Menschen, die zu dieser Zeit leben, werden später Probleme bekommen mit ihrer Atmung. Wir brauchen mehr Fachärzte gegen Schilddrüsenkrankheiten, Krebs u.s.w. . Spätestens in 30  Jahren wird man es merken. Also irgendwo jetzt!

Ja so war das.

Ok.. mein Bild. Ich habe ein paar Flicken hinter die Löcher geklebt. Jetzt versuche ich zu Retten was zu Retten geht. Natürlich wird es Narben behalten. Aber vielleicht macht es dieses Bild interessant. Wer weiß.

Die Sonne scheint. Es ist wunderschön draußen. So als würde nichts schlimmes passieren.
Tessy steht neben dem Sofa auf dem ich sitze und schreibe. Sie schaut mich mit ihren treuen Augen an. Ein paar Schritte laufen möchte Sie wohl. Sie ist dünn geworden. Im August wird Sie 15 Jahre. Sie weiß nicht das Sie krank ist. Solange Sie es nicht weiß, sagt die Ärztin, solange ist alles gut. Wenn ich Sie ansehe, geht mir das Herz auf. Soviel Liebe habe ich für Sie. Ich werde mir meine Hündin nehmen und ein paar Schritte in der Abendsonne gehen.  Der Himmel hat so ein wunderschönes blau.


Diese Welt ist wunderschön und ich danke Gott, dass ich hier sein darf.
Egal was passiert.
Solange man die Krankheit nicht weiß, ist alles wunderschön.
Vielleicht können wir uns retten.
Vielleicht müssen wir uns nicht zerstören.
Doch gewiss behalten wir eine Narbe.


Eure Oppi
Bleibt bitte gesund.




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